Wenn Finger sehen! Fossilien ertasten

Sonderausstellung

Die Ausstellung am 05.07.2026 im Geo-Museum Zurholt stellt das taktile Erlebnis in den Vordergrund und ist besonders für Blinde und Sehbehinderte geeignet, die ihre Umwelt auf eine ganz eigene Art wahrnehmen. Die „Schönheit“ der Exponate in dieser Sonderausstellung liegt nicht unbedingt im sichtbaren Erleben, sondern erschließt sich vor allem, wenn man sich ganz auf das Berühren und Ertasten einlässt.

Denn gleich große Gesteine können unterschiedlich schwer sein (Dichte), sich unterschiedlich warm anfühlen (Wärmeleitfähigkeit) oder können eine sehr unterschiedliche Oberflächengestalt besitzen. Mit der Ausstellung macht das Geo-Museum Zurholt Exponate zugänglich, um sie frei in die Hand zu nehmen und ertasten zu können. Wenn dann Besucher symmetrisch gewachsene Kristalle erfühlen oder die Rippen einer ausgestorbenen Muschelart erspüren, wird der Besuch der Ausstellung zu einem spannenden Erlebnis.

Kurz zur Struktur der Ausstellung, die über 20 Exponat-Stationen verfügt:
Im ersten Teil werden einzelne Minerale und Gesteine vorgestellt. Im zweiten Teil wirft die Ausstellung einen Blick auf die Erdgeschichte und stellt diese anhand von ausgewählten Fossilien dar. Schilder in Braille- und Keilschrift geben kurze Erläuterungen zu den Exponaten.
Eine Beschreibung der Exponate in Textform und als Audio-Unterstützung finden Sie weiter unten auf dieser Seite. In der Ausstellung können Sie über an den Exponaten angebrachte QR-Codes direkt auf die Audio-Beschreibungen zugreifen.

Viel Spaß wünscht das Museumsteam.


Erläuterungen zu den Exponaten

GranitGranit, ca.1,5 Mrd. Jahre alt, gilt als einer der härtesten Gesteine und entsteht durch Abkühlung in der Erdkruste. Er besteht aus den Mineralen Feldspat (meist hell bis rot), Quarz (meist klar) und Glimmer (meist schwarz). Durch Verwitterung zerfällt das Gestein langsam zu grobem Sand. Audiotrack

Exponat 1: Granit
 

Rapakivi-GranitAuch harte Gesteine lassen sich sägen. Dieser Rapakivi-Granit zeigt gesägt und anschließend glatt poliert seinen spannenden mineralischen Aufbau. Die Rückseite besitzt noch die raue originale Verwitterungsrinde. Audiotrack

Exponat 2: Rapakivi-Granit
 

Amethyst – DruseAmethyst – Druse mit spitzen pyramidalen Kristallen. Amethyst ist eine violette Variante des Minerals Quarz (SiO₂), dessen Farbe durch Spurenelemente wie Eisen entsteht. Die Drusen bildet sich meist in Hohlräumen vulkanischer Gesteine, in denen zentimetergroße Mineralstufen aus siliziumreichen Lösungen auskristallisieren. Audiotrack

Exponat 3: Amethyst – Druse
 

KalzitkristalleNatürlich gewachsene, leicht milchige Kalzitkristalle aus dem Straßenschotter. Kalzitkristalle entstehen aus mineralreichen Lösungen, die in feine Risse oder Hohlräume des Gesteins eindringen. Dort kristallisiert die Lösung aus und bildet weiße bis durchsichtige Kristalle. Auch heute noch bilden sich in Tropfsteinhöhlen Kalzitkristalle aus kalkreichen Lösungen. Audiotrack

Exponat 4: Kalzitkristalle
 

Mendener Konglomeratgestein Grobes Mendener Konglomerat mit abgerundeten, eingebetteten Flusskieseln. Dieses entsteht aus Gesteinsabbrüchen, die durch sandige Ablagerungen bedeckt werden. Die Verfestigung des Sediments bildet mit den Bruchstücken ein neues festes Gestein. Audiotrack

Exponat 5: Mendener Konglomeratgestein
 

Piepstein - Süßwasser-KalksinterKalksinter, auch „Piepstein“ genannt, entsteht durch kalkhaltiges Süßwasser, das aus Quellen austritt. Beim Verdunsten lagert sich Kalk an Schilfrohr oder anderen Pflanzen ab und bildet schichtweise poröse, oft bizarr geformte Gesteine. Wenn Wind über die Röhren aus Kalkstein weht, können Töne entstehen wie bei einer angeblasenen Pfeife. Audiotrack

Exponat 6: "Piepstein" - Süßwasser-Kalksinter
 

Eisen und Eisenerz-RohstoffEisenerz-Rohstoff und erschmolzenes Eisen. Neben klassischen Erzen bilden sich Eisenerz-Knollen wie diese aus mineralreichem Oberflächenwasser. Lagert sich bei wechselnden Feuchtigkeits-Trockenheitsperioden immer wieder gelöstes Eisen an Sandkörnern an, wachsen knollige Steine mit einem nennenswerten Eisenanteil. Diese wurden in früheren Jahrhunderten mangels andere Erz-Quellen zur Eisenherstellung verwendet. Aus diesen Knollen wurde im Rennofen schmiedbares Eisen als breiige Schmelze, die sogenannten Luppe, gewonnen. Das Beispiel zeigt metallisches Eisen, gewonnen aus dem Rennofen-Projekt des Geo-Museums im Jahr 2024. Audiotrack

Exponat 7: Eisenerz und erschmolzenes Eisen
 

Cephalopoden des OrdoviziumsDie ausgestorbenen Cephalopoden des Ordoviziums waren frühe Kopffüßer, also Vorläufer von Ammoniten und Nautiloideen. Zu dieser Familie gehört auch der Orthoceras. Typisch für ihre Gestalt sind die meist geraden oder leicht gekrümmten Schalen. Sie gehörten zu den ersten aktiven Räubern der Meere und konnten über 1 m groß werden. Cephalopoden entwickelten bereits komplexe Strukturen wie Kammern zur Auftriebsregulation und einfache Tentakel zur Beutejagd und dominierten damals die marinen Ökosysteme. Audiotrack

Exponat 8: Cephalopoden des Ordoviziums
 

KettenkoralleTabulate Korallen wie beispielsweise die Kettenkoralle, also sich auf dem Boden flach ausbreitende Korallen, waren im Silur weit verbreitete Meerestiere mit kalkigen Skeletten und wabenartigen Strukturen. Sie lebten in Kolonien in warmen, flachen Meeren und trugen wesentlich zur Riffbildung bei. Für Kettenkorallen namensgebend ist ihr Aufbau durch aneinandergereihte Korallite, die im Aussehen eine Kette ähneln. Audiotrack

Exponat 9: Silurzeitliche Kettenkoralle
 

Solitär-KoralleDiese noch unbestimmte Koralle aus der Unterfamilie Rugosa lebte als einzelne Koralle (solitär) in der Region des Rheinischen Schiefergebirges in der Zeitstufe des Eifelium. Die verwitterte Außenhaut der Koralle gibt die Sicht frei auf die Septen-Kammern, die am Fossil auch gut ertastbar sind. Audiotrack

Exponat 10: Devonzeitliche Solitär-Koralle
 

BrachiopodenBrachiopoden waren im Devon eine der dominierenden marinen Tiergruppen und besiedelten vor allem flache Schelfmeere. Sie zeichneten sich durch zwei ungleich große Schalen und eine große Formenvielfalt aus. Im Verlauf des Devons diversifizierte sich die Art. Noch heute gibt es lebende Vertreter dieser Gruppen. Audiotrack

Exponat 11: Devonzeitliche Brachiopode
 

Karbonzeitliche Siegelbaum-RindeDer Siegelbaum war eine baumartige Pflanze des Karbon-Zeitalters mit geradem Stamm und schmalen Blättern. Seinen Namen verdankt er den siegelartigen Rindenvertiefungen. Er wuchs in sumpfigen Wäldern bis zu 40 Meter hoch und trug wesentlich zur Bildung der Steinkohle bei. Audiotrack

Exponat 12: Karbonzeitliche Siegelbaum-Rinde
 

SteinkohleSteinkohle, wie dieses Stück, ist eigentlich kein Gestein, denn es besteht zu mehr als 80% aus Kohlenstoff. Damit erklärt sich die geringe Dichte von ca. 1,3 g/cm3 – ein gleichgroßes Stück Granit ist mit einer Dichte von ca. 2,6 g/cm3 doppelt so schwer. Steinkohle wird als Brennstoff abgebaut und war über 250 Jahre Energielieferant für Industrie und Haushalt, bis Aufgrund der problematischen CO2-Bilanz viele Länder den Abbau zurückfuhren. Audiotrack

Exponat 13: Karbonzeitliche Steinkohle
 

Ammonit AndrogynocerasAndrogynoceras war ein Jura-Ammonit, der vor etwa 190–175 Millionen Jahren lebte. Er besaß ein spiralig eingerolltes Gehäuse mit ausgeprägten Rippen und Knoten, typisch für viele Ammoniten. Fossilien dieser Gattung sind wichtige Leitfossilien zur Datierung von Gesteinsschichten im Unterjura. Audiotrack

Exponat 14: Jurazeitlicher Ammonit Androgynoceras
 

BelemnitenBelemniten sind ausgestorbene Kopffüßer, die im späten Erdmittelalter lebten. Sie besaßen einen torpedoförmigen, bis über 2 Meter langen Körper mit einem festen Rostrum („Donnerkeil“), das häufig fossil erhalten ist. Diese Tiere waren schnelle Räuber in den Meeren und sind heute wichtige Leitfossilien für die Erdgeschichte. Audiotrack

Exponat 15: Kreidezeitlicher Belemnit
 

Inoceramus-MuschelInoceramus ist eine große, ausgestorbene Muschel aus der Kreidezeit, die vor etwa 145–66 Mio. Jahren lebte. Sie besaß dicke, oft gerippte Schalen und kam weltweit in flachen Meeren vor. Fossilien von Inoceramus sind häufig und wichtige Leitfossilien für die Altersbestimmung von Gesteinsschichten. Audiotrack

Exponat 16: Kreidezeitliche Inoceramus-Muschel
 

KnochenfischDer Rhacolepis buccalis war ein kleiner Knochenfisch, der in der Kreidezeit vor etwa 110–100 Millionen Jahren lebte. Er ist vor allem aus Fossilien aus der Region Araripe, Brasilien, bekannt und zeigt typische Merkmale früher moderner Fische. Seine ausgezeichnete Erhaltung liefert wichtige Einblicke in die Entwicklung von Fischarten zur Kreidezeit. Audiotrack

Exponat 17: Kreidezeitlicher Knochenfisch
 

SeeigelSeeigel wie diese leben zumeist eingegraben im Meeresboden. Sie besaß ein gewölbtes, ovales Gehäuse, das auf der Unterseite flach abgeplattet war. Funde dieser Gattung liefern wichtige Hinweise auf die damaligen marinen Lebensräume und Sedimentbedingungen. Lebende Nachfolger findet man auch am heimischen Nordseestrand. Audiotrack

Exponat 18: Kreidezeitliche Seeigel
 

Fossiles HolzWird abgestorbenes Holz unter mineralreichen Schichten abgelagert, werden zerfallene Holzbestandteile durch das Auskristallisieren von mineralreichen Lösungen ersetzt. Das führt zur Bildung einzelner Quarzkristalle, die bei entsprechendem Lichteinfall glitzern. Audiotrack

Exponat 19: Neogenzeitliches Holz-Fossil
 

Gesteinszylinder/BohrkernDieser Gesteinszylinder wurde durch eine geologische Erkundungsbohrung gewonnen. Dazu wird nicht mit einem Meißel, sondern mit einem Hohlbohrer ins Erdreich gebohrt. Der Hohlraum des Bohrers nimmt den zylindrischen Kern auf. Beim Zurückholen des Bohrers wird der Bohrkern mit geborgen. Auf diese Art hat man den Gesteinsuntergrund bis über 9000 m Tiefe erkundet. Dieses Stück besteht aus Sandstein des Karbonzeitalters. Audiotrack

Exponat 20: Gesteinszylinder/Bohrkern
 

Audio-Unterstützung zu den Exponaten